NABU-Chef Udo Seum tritt kürzer

NABU-Chef Udo Seum

24.2.2017 Jahrzehntelang ist er das Gesicht der Bingeheimer NABU-Gruppe gewesen. Jetzt übergibt Udo Seum sein Amt an seinen Nachfolger.

Tümpelbauer, Baumfriseur, Vogelgucker, Riedführer, Ringverteiler, Fernsehstar. Beschreibt die NABU-Gruppe-Bingenheim ihren Frontmann Udo Seum, fallen diese Vokabeln. Seit Freitagabend hat der 63-Jährige, der seit Jahrzehnten das Gesicht der Bingenheimer Naturschützer ist, einen Teil seiner ehrenamtlichen Aufgaben abgegeben. Der Verein vollzog einen Generationswechsel. Sven Schuchmann (40) wurde während der Jahreshauptversammlung in der Sampo-Halle zu Seums Nachfolger gewählt.

»Udo Seum hat das Herz am rechten Fleck, ihn wirft so schnell nichts um«, lobt der Vorsitzende des NABU-Hessen Gerhard Eppler den gebürtigen Bingenheimer. Seum sei ein besonderer Naturschützer, verbissener Kampf sei ihm fremd. Ausgleichend, mit lockeren Sprüchen, meist in Bingenheimer Platt bringe er die Anliegen der Naturschützer auf den Punkt. »Er versteht es, Menschen zu begeistern, er ist rund um die Uhr ansprechbar, seine Fachkenntnis ist top«, erklärt Eppler als er Seum die goldene Ehrennadel des NABU-Hessen überreicht. Er sei froh, dass Seum weiterhin aktiv bleibe, dem Vorstand als Beisitzer weiterhin angehöre.

1971 trat Seum in die Vogelschutzgruppe Bingenheim ein. Sein Chef, bei dem er Schreiner lernte, bat ihn abends in die Werkstatt zu kommen, um Nistkästen zu bauen. »Naja, ich dachte, was soll ich da, aber wenn der Chef sagte, ich soll kommen, da bin ich halt hingegangen«, erzählt Seum. Das, was ihm Schreinermeister Schäfer über die Natur beibrachte, begeisterte den jungen Lehrling. Seine Freude am Naturschutz war geweckt. Er blieb dabei, auch als der Chef verstarb. Gemeinsam mit dem Schäfer-Nachwuchs Karl-Heinz und Helga Ahrens sowie Josef Tiefenbach und anderen Ehrenamtlichen bildete Seum über vier Jahrzehnte das ehrenamtliche Gerüst.

Das Trio, mit dem Seum über all die Jahre die Natur rund um Bingenheim im Blick hatte, die ehrenamtlich auf verschiedenste Weise mitwirkten, dass das Bingenheimer Ried entstehen konnte, tritt nun aus dem Vorstand ab. »Schon zu Zeiten meines Vaters kauften wir erste Flächen im Ried«, berichtet Karl-Heinz Schäfer. 48 Jahre gehörte er dem Vereinsvorstand an, acht Jahre war der Schreinermeister Vorsitzender den Naturschützer. »Ich habe das aus tiefer innerer Überzeugung gemacht.« Seine Schwester Helga Ahrens kümmerte sich 34 Jahre um die Finanzen des Vereins. »Der NABU Bingenheim ist wie eine Familie, wir haben den Verein groß gemacht«, sagt sie rückblickend.

Inzwischen gehören 461 Menschen der NABU-Gruppe Bingenheim an. »Wir sind über all die Jahre Freunde geworden«, erzählt der langjährige Schriftführer Josef Tiefenbach, der wie Ahrens und Schäfer von Eppler mit der silbernen Ehrennadel des NABU-Hessen ausgezeichnet wurde. Tiefenbach sei Experte für Wiesenvogelschutz. »Die Wetterau hat viele Besonderheiten im Naturschutz zu bieten«, erklärt Eppler. Davon berichtete Seum in seinem Jahresrückblick.

Extrem hoher Zeitaufwand

Wanderungen zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten. Naturschutz sei mit Arbeit verbunden: »Die Kopfweiden zu pflegen ist ein enormer Zeitaufwand.« Das Schützen der Amphibien, allen voran der Knoblauchkröte, deren Bestand rückläufig ist, sei ebenfalls zeitintensiv. Um mehr über die Erdkröte zu erfahren, werde die NABU-Gruppe einige Tiere mit Sendern ausstatten.

Naturschutz bedeute, immer wieder zu lernen. Beispielsweise über die Kosten der Exmoor-Ponys, die im Ried eine Kuhherde ergänzen und dort ganzjährig draußen grasen. Ihr Bestand von anfänglich drei sei auf 14 angewachsen. Deren Unterhaltung kostete den Verein im Vorjahr inklusive dem Kastrieren der Hengste 2500 Euro. »Leider haben sich die Paten, die ein Teil der Kosten übernehmen sollten, abgesetzt«, sagt Seum.

Stolz ist die NABU-Gruppe auf ihre Jugendarbeit, die von Hans-Martin und Ole Seisler sowie Franziska Fries betreut wird. 21 Kinder nehmen das Angebot an. Für 25-jährige Mitgliedschaft im NABU-Bingenheim wurde Helga Mladenka ausgezeichnet. (Bericht: Gießener Allgemeine Zeitung)