Bingenheimer Ried mit dem Smartphone erkunden

Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid und Bürgermeister Wilfried Mogk enthüllen am Aussichtsturm des Bingenheimer Rieds eine der neuen, modernen Informationstafeln.

21.5.2015 „Es ist unsere Aufgabe die schützende Hand über das Bingenheimer Ried zu halten“, sagt Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid. Bei ihrem Besuch im Herzen der Wetterauer Naturschutzgebiete enthüllte sie am Donnerstag moderne Schilder, die die Besucher informieren. Der Clou: Jede Tafel ist mit einem Code ausgestattet. Wird dieser mit dem Smartphone gescannt, ertönen die Stimmen der Jugendgruppe der NABU-Gruppe Bingenheim. Die jungen Naturschützer erklären einiges zur Lebensweise der Tiere, die im Ried eine Heimat finden, rasten und sich angesiedelt haben. Biber, Eisvogel, Höckerschwan, Blesshuhn, Kranich, Kammmolch und Graugans sind diese Informationen gewidmet. Die Tafeln stehen am Weg durchs Ried von Bingenheim in Richtung Reichelsheim und zwischen Heuchelheim und Gettenau jeweils in der Nähe der Beobachtungshütten. Dazu gesellen sich weitere große Tafeln, die über die Pflege durch Beweiden, Amphibien und Libellen, Wasservögel, Watvögel, den Vogelzug, Weißstörche und den Lebensraum Röhricht informieren.

Sven Schuchmann von der NABU-Gruppe Bingenheim demonstriert, wie die Informationen hinter dem Schild über einen Scan mit dem Smartphone abgespielt werden können.

Gestaltet wurden die Schilder von Frank-Uwe Pfuhl und seinem LandKonzept-Team. „Junge Menschen werden über dieses Informationsangebot angesprochen“, sagt Bürgermeister Wilfried Mogk. Echzell und das Bingenheimer Ried würde auf diese Weise attraktiver, gerade für Radtouristen. „Der Limesradweg wird hier lang führen“, sagt Mogk. „Wir möchten eine Sensibilität für die Natur vermitteln“, erklärt Lindscheid. Sie lobt die Ideenvielfalt der ehrenamtlichen Naturschützer, die halfen das Schilderkonzept umzusetzen. „Das nehmen wir als Blaupause für andere Gebiete“, versprach sie. „Der Naturschutz zeichnet sich hier durch eine gute Zusammenarbeit von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Akteuren aus“, sagt Udo Seum, Vorsitzender des NABU-Bingenheim. Skeptisch sei er gewesen den Smartphone-Service auf die Schilder zu installieren und zum Internetauftritt des NABU zu verlinken. „Inzwischen habe ich erkannt, dass es ein weiterer Anziehungspunkt ist, der Bezug zur Natur herstellt.“ Lob gab es von Landrat Joachim Arnold: „Das Bingenheimer Ried zeigt uns immer wieder wie dynamisch Naturschutz ist.“ Ein Erfolgsfaktor des Gebiets sei die gute Kooperation aller Akteure: Naturschützer, Verwaltung, Landwirte und Jäger. Jutta Schmitz vom Regierungspräsidium erklärte, Ziel sei es alle Natura 2000 Gebiete mit einheitlich gestalteten Informationstafeln auszustatten.

Das Bingenheimer Ried ist seit 30 Jahren Naturschutzgebiet, es bietet Lebens- und Rastplatz für bis zu 250 Vogelarten.

„Damit wir diese Gebiete den Bürgern näher bringen.“ Seit sieben Jahren ist das Ried Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes, vor 30 Jahren wurden die ersten Flächen unter Naturschutz gestellt. 250 verschiedene Vogelarten werden hier gezählt, dazu kommen Molche, Kröten, Frösche und die verschiedensten Libellenarten. „Das Bingenheimer Ried ist ein Glücksfall für Hessen und seine biologische Vielfalt, es beherbergt eine Vielfalt von Arten, die andernorts gefährdet oder sogar ausgestorben sind“, erklärte Lindscheid. Die inzwischen selten gewordenen Feuchtwiesengebiete seien wichtige Brutgebiete für Auen-Vögel wie Bekassine und Kiebitz sowie Weißstörche. Sieben Storchenpaare brüten derzeit im Ried. Da sei es wichtig Gäste im Schutzgebiet über aufschlussreiche Details des Lebensraums  unterhaltsam zu informieren. Klar gehören dazu auch die üblichen Tipps wie: „Vermeiden sie die Störung brütender oder rasteneder Vögel“, „Bleiben sie auf den Wegen und leinen sie ihren Hund an“. (Fotos und Text: Ines Dauernheim)