Eulenexkursion

Zum Start der Eulenwanderung in Bingenheim zeigt Udo Seum Federn von einer Schleiereule, viele dieser Eulen hätten den strengen Winter mit viel Schnee nicht überlebt.

12.03.2011 - Auf den Spuren von Schleiereule, Waldohreule, Steinkauz und Co
Schleiereule, Waldohreule, Steinkauz, Waldkauz leben in unserer Nähe. Dies zeigte am Samstagabend die Nabu-Gruppe Bingenheim während einer Eulenwanderung. Rund 40 Gäste waren gekommen, um sich mit Udo Seum auf die Spuren der Eulen zu machen. Dämmert es, steigen die Chancen die nachtaktiven Tiere zu entdecken. Tagsüber hilft es zu schauen, wo Kot und Gewölle liegen. Diese steinähnlichen Ausscheidungen spucken die Eulen aus, im Magen der Tiere wird Unverdauliches aus ihrer Beute wie Knochen, Zähne, Chitinpanzer in einen Klos gemengt und ausgewürgt. Unter einem Baum an der Hügelstraße, auf den Streuobstwiesen am Ortsrand liegen etliche dieser Gewölle-Bröckchen herum. Klar, dass die mitwandernden Kinder diese Souvenirs schnell einstecken. Die Blaufichte unter der besonders viel Gewölle und Kot zu sehen sind, entpuppt sich als wahres Suchbild. Drei Waldohreulen verbringen diesen Tag in dem Baum. Nach einer Weile sind sie gefunden, gut getarnt sitzen die Tiere auf den Ästen. "In einer Birke würden sie niemals Schutz finden", sagt Seum. "Die Waldohreule bildet Schlafgesellschaften in hohen Bäumen", erklärt der Vogelkundler. Abends fliegen sie aus, um Mäuse zu jagen. Werden in den Wohngebieten immer mehr alte, zu hohe Bäume gefällt, verlieren die Eulen ihre traditionellen Schlafplätze. Es dauere Jahre bis sie neue Ruheplätze annehmen. "Das ist wie mit Rastplätzen an der Autobahn, die Eulen kennen sie, mitunter sind es an jedem Tag andere Tiere, die dort schlafen." 

Der Uhu (links) ist die größte heimische Eule, etwa zehn Uhupaare leben in der Wetterau. Der Steinkauz (rechts) lebt vorwiegend in Obstbaumgebieten im Sommer ernährt er sich hauptsächlich von Insekten. Während der Eulenwanderung des Nabu-Bingenheim zeigte Udo Seum nicht nur die Präparate, sondern auch Schleiereule und Waldohreule, die in Bingenheim leben.

Gespannt schaut die Wandertruppe am Haus von Familie Podszus empor. Als hier vor ein paar Jahren ein neuer Dachstuhl gebaut wurde, empfahl der Zimmermann einen Eulenkasten einzubauen. Im vergangenen Jahr brüteten erstmals Schleiereulen unterm Dach. Ein kurzes Klopfen am Kasten lockte die Bewohner in die Dämmerung. Lautlos schwebte die Schleiereule in den nächstgelegenen Baum, von dort ging’s weiter ins Feld. "Das sind einige wenige Schleiereulen, die den Winter überlebt haben", sagt Seum. Derzeit finden die Naturschützer mehr tote als lebendige Schleiereulen. "Das liegt an ihrer mangelnden Fähigkeit Fett zu speichern." Andere Eulenarten könnten einen Fettvorrat anlegen und zehren in der kalten Jahreszeit davon, das gelinge den Schleiereulen nicht. "Da kann es vorkommen, dass nach einem Monat Schnee und Kälte fast der gesamte Bestand dahingerafft wird."Bei kalten Temperaturen werden sie inaktiv, könnten nicht mal Mäuse direkt unter sich fangen. "Sie fallen um und sind erfroren." Die Population der Schleiereule sei daran gewöhnt, so ziehen Schleiereulenpaare mehrere Junge groß. Gib’s viele Mäuse, können die Eltern mehr Jungvögel aufziehen. Ein bis zwei Schleiereulenpaare leben in Bingenheim. "Sie verbringen nicht jedes Jahr im selben Eulenkasten", erklärt Seum. Deshalb sei es wichtig genug Nistplätze anzubieten, werden sie mal nicht von Schleiereulen bezogen, nehme sie der Turmfalke gern an, kommt jedoch eine Schleiereule, muss der Falke weichen. Rund um den Ort in den Streuobstwiesen leben einige Steinkäuze. In hohlen alten Bäumen finden sie ihren Unterschlupf. Da es immer weniger knorrige Bäume gibt, bieten die Vogelschützer dem Steinkauz mardersichere Röhren an. "Die werden sehr gut angenommen." Auf einer Streuobstwiese am Ortsrand ist an einem Apfelbaumast eine solche Wohnung montiert. Seum versucht den Steinkauz mit einer Pfeife zu locken. Gespannt schauen die Wanderer auf den Höhlenausgang. Nichts passiert. "Entweder ist der Steinkauz schon ausgeflogen oder der Ruf war zu stark, so dass er sich ruhig verhält, um sich nicht mit einem vermeintlich übermächtigen Gegner im Revier anzulegen." Kurze Zeit später im Wald, lässt sich auch der Waldkauz nicht von Seums Lockrufen, die diesmal vom Kassettenrekorder kommen, beeindrucken. "Gestern hat’s noch geklappt, da kam die angriffslustige Eule und flog direkt auf den Rekorder zu", sagt Seum. Vermutlich sei es zu windig. Nach einer Weile des Rufens, Lauschens und Wartens antwortet der Waldkauz auf die Rufe, schwebt aber nicht heran. "Sie sehen und hören, dass um uns herum viele Eulen leben, es gilt ihnen einen optimalen Lebensraum anzubieten", wirbt Seum für den Schutz der nachtaktiven Tiere. Die nächste Wanderung startet am Sonntag, 27. März, 8:00 Uhr, am Bürgerhaus Bingenheim, dann zeigen Seum und seine Kollegen den Lebensraum der heimischen Spechte.
(Quelle: Text und Bilder von Ines Dauernheim)